Haiti liegt im Norden der Karibik zwischen Kuba und Puerto Rico und hat rund 9 Millionen Einwohner. Hauptstadt der 27.750 km² großen Insel ist Port-au-Prince. Offizielle Landessprache ist Kreolisch, daneben sprechen etwa 10 Prozent der Bevölkerung auch Französisch. Etwa 85 Prozent der Haitianer sind christlichen Glaubens, daneben ist aber auch der Voodoo-Kult weit verbreitet.


90 Prozent der Bevölkerung Haitis sind Menschen, deren Vorfahren als Sklaven aus Afrika nach Haiti verschleppt wurden. Haiti wurde im Jahre 1804 unabhängig. Die ehemaligen Kolonialmächte boykottierten die neue Republik, die bis dahin den Weltmarkt mit Zucker und Kaffee versorgt hatte. Das Exportgeschäft brach zusammen. 1825 musste die junge Republik für ihre Anerkennung jahrzehntelang Entschädigung an die enteigneten Französischen Kolonialherren zahlen. Die damalige Elite (meist Mulatten) zog sich in die Küstenstädte zurück und ließ die Bauern auf winzigen Parzellen arbeiten, die sich nach jeder Generation verkleinerten. Eine dringend notwendige Agrarreform wurde nie durchgeführt. Nacheinander plünderten 23 Diktatoren das Land aus.

 

Nachdem die USA 1915 in Haiti einmarschiert waren, bauten sie zwar Strassen und Schulen, aber bis zu ihrem Abzug 1934 gelang es nicht, einen Rechtsstaat zu etablieren. 1957 kam der unter dem Namen "Papa Doc" bekannte Arzt Dr. François Duvalier an die Macht, indem er die wachsende schwarze Mittelschicht und die arme Landbevölkerung gegen die Mulatten-Elite hetzte.  Duvalier stützte seine Macht auf eine brutale Geheimpolizei, die „tontons macoutes“. Während seiner Diktatur verließ der Großteil der reichen und gebildeten Haitianer das Land. Nach seinem Tod im Jahre 1971 übernahm sein Sohn die Führung. Erst 1986 konnte Jean-Claude Duvalier ("Baby Doc") durch das Militär aus dem Amt geputscht werden. In der Folge wechselten sich verschiedene kurzlebige Regierungen ab.

 

1990 wurde in den ersten demokratischen Wahlen in Haiti Jean Bertrand Aristide zum Präsidenten gewählt, jedoch bereits sieben Monate später von den Militärs wieder gestürzt. Seine durch eine Invasion US-amerikanischer Truppen erzwungene Rückkehr im Oktober 1994 löste eine dreijährige gewalttätige Militärdiktatur im Lande ab. Seit 1994 wechselten sich Jean-Bertrand Aristide und der aktuell amtierende Präsident René Préval als Präsidenten mehrfach ab.

 

Die politische Situation des Landes ist durch die jahrzehntelange Diktatur, Staatsstreiche, gewalttätige Konflikte und Korruption stark geschwächt. Der im Jahre 2004 zurückgetretene Präsident Aristide hinterließ chaotische Verhältnisse und öffnete der Kriminalität und den Drogen die Tür. Er hetzte seine Anhänger aus den Slums auf, ließ sie straff organisierte Banden bilden, die gefürchteten „Schimären“, und sprengte mit ihnen jede Versammlung, auf der sich Kritik regte. Eine funktionierende Infrastruktur oder rechtsstaatliche Ordnung fehlen weitgehend. In den letzten Jahren entließen zudem die USA und Kanada kriminelle Haitianer aus ihren Gefängnissen, die nun in Haiti aber keine Resozialisierung erhielten. Gewalt, Drogenhandel und eine hohe Kriminalitätsrate (Kidnapping) sind seitdem weit verbreitet.

 

Haiti ist ein Land, das allein seit 2004 insgesamt 6 Premierminister an der Spitze der Regierung verschlissen hat. Das Land hat keine politische Klasse, die Verantwortung für den Fortschritt tragen will. Die Parteien dienen nur der Machtbeschaffung für Politiker. Korruption, Straflosigkeit, Gewalt und Klientelwirtschaft bestimmen das öffentliche Leben.

 

Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Großteil der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze, etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind arbeitslos. Subsistenzwirtschaft sichert oftmals das Überleben der Familien. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 57 Jahren. Auch die medizinische Versorgung des Landes ist schlecht.

 

2005 wurde zuletzt René Préval erneut Präsident. Mit Hilfe der internationalen Stabilisie-rungstruppe der UNO, der von Brasilien angeführten Minustah, die seit dem Abgang Aristides im Land stationiert sind (6.700 Blauhelmsoldaten, sowie 1.600 Polizisten) begann nun eine Phase der Hoffnung. Insbesondere im Bereich der Sicherheit konnten Fortschritte erzielt werden. Die Bandenkriminalität ging etwas zurück. Der IWF und die Weltbank erließen Haiti Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar als Belohnung für eine Reihe von Reformen. Dennoch erholte sich die wirtschaftliche Lage des Landes zu langsam.

 

2008 kam es zu gewaltsamen Protesten aufgrund der hohen Inflation und der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais oder Reis. Hinzu kamen im gleichen Jahr 4 verheerende Wirbelstürme. Die Lage hat sich seither kaum entspannt.

 

Nach den genannten Katastrophen kamen in den letzten Jahren zwar viele Aufbauhelfer ins Land, aber immer war die Hilfe nur kurzfristig und nicht auf langfristige Entwicklung angelegt. So bleibt das Land nach wie vor abhängig von importierten Lebensmitteln, während in den 70er Jahren noch exportiert wurde. Das Grundnahrungsmittel Reis wird importiert und umsonst verteilt oder billig verkauft, was den eigenen Anbau fast zum Erliegen gebracht hat. Viele der Fortschritte der letzten Jahre sind zudem mit dem tragischen Erdbeben vom 12. Januar 2010  wieder zerstört.

 

Das Erdbeben ist verheerend, aber es ist auch eine Chance für eine nachhaltige Entwicklung. Mit unserem Bildungsprogramm möchten wir – im Rahmen unserer Möglichkeiten – einen kleinen Beitrag dazu leisten.